Events / 31.05.2017

„Führen Datenschutzgrundverordnung und e-privacy zu einer Zweiklassengesellschaft im Internet?“

#playoffense - Digital Chance Business Communication Lunch

Was schützt uns vor dem Datenschutz?

Es führt kein Weg daran vorbei: Ab Mai 2018 drohen Unternehmen hohe Strafen, wenn sie sich nicht an die Regeln der Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) und der e-privacy Verordnung der europäischen Union – so sie in der vorliegenden Form beschlossen wird -halten. Es ist daher höchste Zeit sich fit für die digitale Zukunft zu machen. IAA Präsident Richard Grasl begrüßte beim IAA Business Communication Lunch den österreichischen Top-Anwalt Gerald Ganzger und Christopher Sima von United Internet Media Austria, die darlegten, wie und welche Daten man weiterhin nutzen kann, wo Fallstricke lauern und warum sich zahlreiche Vertreter der Wirtschaft für Nachbesserungen, der in vielen Bereichen nicht exakt ausdefinierten Verordnung, einsetzen. Zu Beginn des Business Communication Lunches erklärte Oliver Stribl, dass der sich der Manstein-Verlag aufgrund der Brisanz des Themas in den nächsten Monaten medienübergreifend explizit den beiden Verordnungen widmen wird. HORIZONT Chefredakteurin Marlene Auer führte durch den Talk.             

Die Nutzung von Daten wird in Zukunft für Unternehmen definitiv schwieriger und das trifft in großem Ausmaß die Medien- und Kommunikationsbranche. In einem Punkt sind sich Rechts- und Datenschutzexperten einig: Man wird mit diesen neuen Regeln leben müssen, doch wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt und so hofft man auf Nachbesserungen und Konkretisierungen der zum Teil juristisch nicht exakt ausdefinierten Verordnungen.

Grundsätzlich ändert sich an den Grundprinzipien des europäischen Datenschutzes nichts, an der  Durchsetzung von Datenschutzrechten jedoch viel. AuftraggeberInnen werden voll und ganz dafür verantwortlich sein, ob die Verwendung und Verarbeitung der Daten rechtmäßig ist, auch die Informations- und Dokumentationspflichten werden deutlich ausgeweitet. Der Strafrahmen wird ebenfalls erheblich erhöht: War die Höchststrafe bisher mit 25.000 Euro begrenzt, können Verfehlungen künftig mit bis zu 4 % des weltweiten Jahresumsatzes bzw. höchstens 20 Millionen Euro geahndet werden. Die Regeln gelten unmittelbar, durch sogenannte Öffnungsklauseln könnte der nationale Gesetzgeber jedoch einzelne Punkte noch konkretisieren. In Österreich werden diese gerade diskutiert.

Christopher Sima von United Internet Media Austria begrüßt das europaweit einheitliche Datenschutzniveau. Dieses sogenannte „level playing field“ bedeutet, dass auch Auftraggeber außerhalb der EU, die in der EU Leistungen erbringen, darunterfallen und damit sind dann auch die großen Player, wie Facebook oder Google, betroffen. Wenig begeistert zeigt er sich jedoch von der E-Privacy-Verordnung, die aus seiner Sicht die Dienstleistungsfreiheit der Wirtschaft deutlich einschränkt, vor allem kleinere Unternehmen werden darunter leiden.

Da in Zukunft nicht mehr zwischen pseudonymen, anonymen und personenbezogenen Daten unterschieden wird und NutzerInnen praktisch immer ihr Einverständnis zur Erhebung und

Verarbeitung der Daten geben müssen, sind kostenfrei zugängliche Inhalte und Services, so wie man sie bisher gewohnt war, nahezu nicht mehr möglich. Es könnte zu einer Zweiklassengesellschaft im Internet kommen, zwischen denen, die sich Services leisten können bzw. wollen und jenen, die darauf verzichten (müssen). Die Folge sind höhere Preise für Leistungen und Services und das schadet wiederum der Wirtschaft und damit letztendlich auch den KundInnen. Eventuell könnten hier nationale Öffnungsklauseln Erleichterungen bringen. Vor allem im Bereich der Coockie-Zustimmungen werden von der Branche Abmilderungen gefordert.

Gerald Ganzger betonte, dass es hoch an der Zeit wäre, sich fit für die neuen Verordnungen zu machen. Auch wenn die Datenschutzbehörde nicht gleich zu drastischen Strafen greifen wird – vor allem nicht bei KMUs – sondern eher versuchen wird, diese zu beraten, wird sie streng bei systematischen Missständen durchgreifen. „Gerade für die Werbebranche ist es überlebenswichtig die vorhandenen Daten und  Zustimmungserklärungen zu kontrollieren und sie an die neue Verordnung anzupassen, sonst können sie nicht mehr verwendet werden“. Ganzger empfiehlt Berater hinzuzuziehen und klare Aufträge bzw. Anweisungen zu geben, denn Datenschutz ist aus seiner Sicht nicht delegierbar, die Geschäftsführung muss für die Bestimmung der Grundsätze verantwortlich sein.

Fotos zur Veranstaltung finden Sie unter: https://www.leadersnet.at/foto-galerie/10038,iaa-business-communication-lunch.html

Foto von v.l.n.r.: Richard Grasl, Marlene Auer, Christopher Sima, Oliver Stribl, Gerald Ganzger