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Events / 30.09.2019

IAA BCB „Die Krux mit der Quote“ am 25. September

Lisa Totzauer (ORF) und Julia Reuter (RTL) im Gespräch mit IAA Austria Präsident Walter Zinggl

 

TV-Sender werden an der Quote gemessen – was aber passiert, wenn diese nicht mehr stimmt – wie lange gibt es Schonfrist bis ein Format zum „Abschuss“ freigegeben wird? Hat der Zuschauer immer Recht? Sind Quote und Qualität ein Widerspruch und welche Kriterien außerhalb der Zuschauerzahlen entscheiden über Sein oder Nichtsein von Programmen? Wie behaupten sich öffentliche und private TV-Sender gegen Pay-TV und den Online-Mitbewerb?  Moderiert von IAA Austria Präsident Walter Zinggl sprachen Julia Reuter (RTL) und Lisa Totzauer (ORF) beim ersten IAA Business Communication Brunch im Herbst über die Herausforderungen und Tücken der TV-Programmgestaltung.

„Natürlich müssen wir als privates Unternehmen darauf schauen, dass die Quoten – also die Zahlen stimmen, aber wir müssen auch darauf achten, welche tagesaktuellen Themen unsere Zuschauer beschäftigen. Da ist es dann klarerweise nicht möglich, Reichweiten zu planen“, erklärt Julia Reuter gleich zu Beginn. Dem stimmt Lisa Totzauer zu und ergänzt: „Als öffentlich-rechtlicher Sender sind wir verpflichtet auf viele verschiedene Zielgruppen, also die gesamte Öffentlichkeit eingehen, da ist es umso wichtiger, eine genau Abstimmung zwischen den Kanälen zu gewährleisten, damit es zu keiner Kannibalisierung kommt. Es gibt auch weniger interessante Themen, die in unseren Sendeauftrag fallen und die wir bringen müssen, selbst wenn sie vermutlich keine hohen Reichweiten haben“.

Einig im Kampf gegen Fake News

Mehr als 700 Journalisten sollen in der RTL-Gruppe sicherstellen, dass Fakten statt Fake geschaffen wird.  Plattformen sind ein wichtiges Promotion Tool, aber der Schwerpunkt liegt darauf, in Content zu investieren. Lisa Totzauer meint, dass Plattformen natürlich viel Reichweite generieren, aber die Inhalte meist mehr als fragwürdig sind. Im Kampf gegen Fake News sollten TV-Anbieter zusammenstehen, sich auf ihre Kernkompetenzen wie Tiefenrecherche konzentrieren und auch im Informationsbereich auf Eigenproduktionen setzen.

Oft zu wenig Zeit für Formatentwicklung

Ein gelungener Launch ist ein Jackpot, oft aber brauchen Formate Zeit, um erfolgreich zu sein. Ein schlechter Start muss nicht heißen, dass das Programm schlecht ist. Eventuell muss nachjustiert werden, vielleicht stimmt der Sendeplatz, der Ausstrahlungszeitpunkt oder die Promotion nicht. „Oft fehlt hier der Mut, Dinge neu anzugehen. Veränderungen – auch im Seherverhalten – gehen nicht von heute auf morgen. Leider werden viele Formate schon nach drei Monaten wieder abgesetzt“, bedauert Lisa Totzauer. Julia Reuter sieht das genauso: „Es ist oft schwierig herauszufinden, was die besten Umfeldbedingungen für ein Format sind. Deshalb setzen wir vermehrt auf Eigenproduktionen, die besser steuerbar sind. Man ist flexibler und näher an der Lebenswelt der Zuschauer, wenn der Content aus dem eigenen Land kommt: Alltagsvergewisserung statt Alltagsflucht“.

Quote und Qualität – ein Widerspruch?

Unabhängig davon, ob privat oder öffentlich-rechtlicher Sender, Qualität ist das Gebot der Stunde, auch wenn die Parameter unterschiedlich sind. Quote und Qualität schließen sich nicht aus, können, aber müssen keinen kausalen Zusammenhang haben. Generell gilt jedoch, dass es teuer ist, Qualität zu produzieren, daher wäre es natürlich wünschenswert, wenn auch die Quote passt. Sowohl Julia Reuter als auch Lisa Totzauer glauben fest daran, dass Qualität sich letztendlich durchsetzt und man nur nicht aufgeben darf.

Medien als vierte Säule der Demokratie

Julia Reuter: „Medien sind wichtiger denn je und es stimmt mich traurig, wie wenig Leute bereit sind, für Journalismus auszugeben und sich mit nicht recherchierten Gratisnews begnügen.“ Dazu mein Lisa Totzauer: „Unsere einzige Chance sind glaubwürdige Redaktionen, man muss sich nur ansehen, was sich in Ländern wie Italien, Ungarn oder Großbritannien medientechnisch gerade abspielt. Unabhängige Programmgestaltung kann nur über unabhängige Medien passieren“.

 

Julia Reuter (Mediengruppe RTL)

Julia Reuter ist seit 1. Mai 2019 Geschäftsführerin Strategie, Personal und Kultur bei der Mediengruppe RTL. Sie kommt von RTL II, wo sie seit 19 Jahren in mehreren Funktionen tätig war. Als CFO und COO des Senders verantwortete sie die Bereiche strategische Unternehmensentwicklung, Finanzen, Controlling, Personal und Organisation sowie die IT von RTL II. Sie entwickelte RTL II kontinuierlich zu einem wirtschaftlich erfolgreichen und modernen Unternehmen mit flexiblen Strukturen und einer positiven Unternehmenskultur weiter.

 

Lisa Totzauer (ORF)

Lisa Totzauer begann ihre ORF-Laufbahn 1997 im Aktuellen Dienst des Landesstudios Niederösterreich. 1999 wechselte sie in die „ZiB“-Redaktion, wo sie zuerst als Redakteurin und Live-Reporterin für Innenpolitik, Chronik und Wirtschaft in der „ZiB 2“ arbeitete und als Innenpolitik-Redakteurin, Live-Reporterin und CVD in der „Zeit im Bild“. Von 2007 bis 2013 hatte Totzauer die Sendungsverantwortung für die „Zeit im Bild“. Seit 2013 ist Totzauer Infochefin ORF eins und verantwortet die Formate „ZiB-Flash“, „ZiB 20“, „DOKeins“, das „ZiB Magazin“ und entwickelte leitend Formate wie „Wahlfahrt“, „Wahlfahrt Europa“ und „Nationalraten – Die politische Quiz-Talk-Show“. Im Mai 2018 wurde sie zur Leiterin Channel Management von ORF eins ernannt.